Bericht aus der Sonderausgabe „Gewerbe Luzern“
 
 
Rolle des Gewerbevereins
Mitreden erwünscht
Ist der lokale Gewerbeverein ein Auslaufmodell? Nein, sagt Elsbeth Lang, Präsidentin des Gewerbevereins Nebikon-Altishofen. Er übt für das einzelne Unternehmen eine wichtige Funktion aus. Wirtschaftlich, gesellschaftlich wie auch politisch.

Bericht und Bild Daniel Schwab

Elsbeth Lang, wozu braucht es eigentlich lokale Gewerbevereine?

Der Gewerbeverein Nebikon-Altishofen bietet seinen rund 90 Mitgliedern eine optimale Plattform, um Erfahrungen auszutauschen, Synergien zu nutzen und neue Geschäftsbeziehungen zu knüpfen. Weiter bieten wir unseren Mitgliedern die Möglichkeit eines gemeinsamen Auftritts nach aussen. Der publikumswirksamste Auftritt ist bei uns zweifellos die Gewerbeausstellung, die alle fünf Jahre stattfindet und bei der sich unsere Unternehmen während zwei Tagen im besten Licht präsentieren können.


Führen Sie auch gesellschaftliche Anlässe durch?

Selbstverständlich. Kürzlich fand der traditionelle Neujahrsapéro statt, bei dem wir unsere neue Homepage vorgestellt haben. Einmal im Jahr organisieren wir eine Betriebsbesichtigung bei einem unserer Mitglieder. 2011 waren wir beim Zahnradhersteller Grob in Nebikon und konnten den Weg vom Rohling bis zum fertigen Zahnrad mitverfolgen. Diese Besichtigungen ziehen jeweils Mitglieder an, die sonst nicht bei jedem Termin dabei sind. Beliebt ist auch das Gwärblerpicknick, das am Bettagssonntag stattfindet.


Inwiefern können Sie als Präsidentin eines lokalen Gewerbevereins politisch Einfluss nehmen?

Ich besuche regelmässig die Sitzungen der Gewerbekammer, dem politischen Organ des kantonalen Gewerbeverbandes. Oft begleitet mich mein Mann, der Delegierter des Verbandes «Holzbau Schweiz Luzern-Land» ist. In der Gewerbekammer hat jeder lokale Gewerbeverein die Möglichkeit, bei gewerberelevanten kantonalen oder nationalen Themen mitzudiskutieren. Ein wichtiges Thema, das die Gewerbekammer demnächst beschäftigen wird, ist die geplante Erbschaftssteuer-Initiative, die für viele KMU die Nachfolgeregelung praktisch verunmöglichen würde. Auch auf Gemeindeebene tauschen wir uns natürlich regelmässig mit der Exekutive aus. Da geht es zum Beispiel um Themen wie Zonenplanrevisionen, Verkehrsbehinderungen oder Auftragserteilungen durch die öffentliche Hand.


Und welches sind die kommenden Herausforderungen für Ihren Verein?

Eine wichtige Weichenstellung geschieht im April. An der Generalversammlung werden wir nämlich den Entscheid fällen, ob wir 2013 wieder eine Gewerbeausstellung durchführen. Im Mai folgen die Gemeinderatswahlen. Es ist in unserem Interesse, dass die Stimme der KMU auch in der Exekutive gebührend vertreten ist. Ein weiteres Thema, das uns sehr am Herzen liegt, ist eine engere Zusammenarbeit mit den lokalen Schulen.


Was stellen Sie sich konkret vor?

Da sind wir völlig offen. Es ist denkbar, dass regelmässig ein Mitglied des Gewerbevereins in die Oberstufe geht und den Jugendlichen sein Unternehmen und die entsprechenden Lehrberufe präsentiert. Ich könnte mir auch vorstellen, dass wir in der Schule einen Info-Nachmittag durchführen, bei dem sich die Ausbildungsverantwortlichen aller Lehrbetriebe den Fragen der Jugendlichen stellen.


Apropos Bildung. Wie unterstützen Sie Ihre Mitglieder, die sich für eine Weiterbildung interessieren?

Wir verweisen sie auf den Kantonalen Gewerbeverband, der in Sachen Weiterbildung perfekt organisiert ist. Es macht in diesem Zusammenhang keinen Sinn, dass jeder Gewerbeverein das Rad neu erfindet.


Wieviel bezahlt ein einheimisches Unternehmen, um bei Ihnen aufgenommen zu werden?

Der Jahresbeitrag für ein KMU beträgt 170 Franken. Davon geht rund die Hälfte direkt an den Kantonalen Gewerbeverband.


Sie sind nun schon seit neun Jahren Präsidentin des Gewerbevereins Nebikon-Altishofen. Denken Sie noch nicht an Rücktritt?

Meine Arbeit als Präsidentin bereitet mir nach wie vor grossen Spass. Darum bleibe ich sicher noch bis 2013 im Amt. Mein grosses Ziel ist die nächste Gewerbeausstellung. Danach kann ich mein Amt ruhigen Gewissens in jüngere Hände legen.